Seiden-Lexikon

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Das kleine Seidenlexikon

Seidenmalerei ist Kreativität pur

Reine Seide - kaum ein anderes Material besitzt diese kostbare Ausstrahlung von Leichtigkeit und edler Ele- ganz. Ob seidenweiche Kissen, kunstvolle Bilder, Tücher, Schals oder zauberhafte Kleidungsstücke, Seide entzückt, wenn man sie nur sieht: Die "Königin der Textilien" stammt aus den Wurzeln der Menschheit und ist von Legenden umrankt.

Ohne das gesponnene "Gold" der Seidenraupe hätte sich China nicht schon vor 3000 Jahren zu einer Welt- kultur entwickeln können. Pracht und Vielfalt des Orients prägten die Malerei und den Alltag des Reiches der Mitte. Von dort aus trat das zarte Gewebe seinen Siegeszug an: zunächst über Korea nach Japan und dann über die Seidenstraße nach Arabien und von dort aus weiter bis nach Rom.

Kunst, Eitelkeit und Reichtum waren ständige Begleiter dieses kostbaren Produktes. Der Kimono - Ausdruck sozialer wie hierarchischer Rangordnung - war ein früher Beitrag zur textilen Kunst. Schließlich waren es die Venezianer und die Franzosen, die aus der Seidenmalerei Chinas eine eigene abendländische Kultur reifen ließen.

Heute bedeutet die Malerei auf Seide für viele Menschen auf der Welt mehr als ein künstlerisches Hobby oder eine neue Kunstrichtung. Der Nutzen der Seidenmalerei lässt sich nicht allein in Geld messen, sondern liegt in der Bereicherung des Lebens überhaupt.

Verleihen Sie Ihrer Kreativität Flügel und erleben Sie das Abenteuer der Seidenstraße bzw. der Seidenmalerei. Spüren Sie das gesamte "Universum" der Seide, der Mystik und der Leichtigkeit. Lassen Sie sich von der Sei- denmalerei verzaubern.

 

Warum Seidenmalen?

Spaß & Kreativität: Förderung der Kreativität und Spaß durch die immer wieder faszinierenden Ergebnisse aus dem schöpferischen Umgang mit Pinsel und Farbe auf Seide.

Selbstverwirklichung: "Tragbare Kunst" in Form von Tüchern, Krawatten oder Kleidern; persönlich geschaf- fen als Ausdruck von Individualität.

Entspannung: Das Fließen der Farben auf Seide ist wie Balsam für die Seele in unserer hektischen Welt. Ma- len als Therapie, als meditative Entspannung durch die sinnlichen Reize der Seide.

Luxus: Seidenmalerei bedeutet Luxus für den Alltag. Früher wertvoller als Gold, können sich diesen Luxus heute viele Menschen ermöglichen. Echte Seide ist eines der ältesten, edelsten Materialien unserer Erde.

Natur: Naturseide lebt, sie ist zart wie eine Wolke. Weil die Haut atmen kann, kühlt sie an heißen und wärmt an kalten Tagen. Sie trägt sich angenehm leicht und die Farben betonen ihren Glanz und natürlichen Reiz.

 

Allgemeine Tips zum Seidenmalen

Seidenmalfarben sind in der Regel recht haltbar, wenn man einige Dinge bei Ihrer Lagerung beachtet.

Nie mit dem Pinsel die Farbe aus der Originalflasche entnehmen! Schon kleinste Reste einer anderen Farbe, Salzreste, Reinigungsrückstände etc. können die Haltbarkeit der Farbe beeinträchtigen. Auch können dabei unter Umständen Bakterien in die Farbe gelangen, was oft innerhalb Minuten oder Tagen zu verschiedenen Veränderungen der Farbe führen kann. Am schlimmsten ist es, wenn die Farbe "umkippt" und geliert, denn dann ist sie unbrauchbar geworden.

Auch kann es zu Veränderungen führen, die erst nach dem Fixieren sichtbar werden, z.B. Farbveränderun- gen oder das Aufspalten der Farbe in zwei Farbtöne.

Nie Farbreste in die Originalflaschen zurückfüllen, sondern die Reste in einem getrennten Glas aufbewahren!

Tipp: Je dicker die zu bemalende Seide ist, um so mehr kann die Farbe verdünnt werden, ohne dass sie zu blass wird. Das hängt u.a. damit zusammen, dass bei sehr dünnen Seiden das wenige vorhandene Seiden- garn auch nur wenig Farbe aufnehmen kann und durch die Transparenz der Seide hindurchscheinendes Licht die Farbe heller erscheinen lässt.

Tipp: Fast alle Farben enthalten winzigste Schwebstoffe, die bei längerer Lagerung "ausflocken" können,  d.  h. sie sinken auf den Boden der Flasche. Das ist normal und kein Qualitätsmangel. Sollten diese Ausflockun- gen stärker auftreten und störend wirken, so filtern Sie die Farbe vor Gebrauch einfach durch einen Papier-(Kaffee-) filter. Es sind zum Teil eben diese ungelösten Farbstoffe, die in der Aquarelltechnik die Randeffekte bewirken bzw. verstärken.

 

Die wichtigsten Seidenarten

Handrollierte Marken-Seidentücher lassen sich sowohl traditionell mit Dampf als auch mit dem Bügeleisen fixieren. Zur Reinigung Ihrer Tücher ist in jedem Fall die Handwäsche bei etwa 30°C zu empfehlen.

Rohseide:Darunter versteht man die noch nicht entbastete und durch die anhaftende Serizinhülle harte, glanzlose und spröde Naturseide.

Pongeé / Habotai-Seide: Pongeé ist eine sehr beliebte Seidenqualität, die sich durch feine, glatte Webstruk- tur auszeichnet. Pongeé eignet sich sehr gut für die Seidenmalerei, da sein Gewebe fließendweich ist. Da Pongeé qualitativ hochwertig und dennoch preiswert ist, eignet sich Pongeé besonders gut für Anfänger.

Crepe Satin:Dieser Seidenstoff hat zwei Gesichter - ein hochglänzendes (Satin) und ein mattes (Crepe). Auf der Satinseite laufen die Farben ineinander und auf der Crepeseite grenzen sie sich klar ab.

Crepe de Chine:Crepe de Chine ist ein Klassiker unter den Seidenstoffen. Modeschöpfer arbeiten oft und gerne mit dieser Seidenstoffart, weil sie weich und glänzend fällt. Den Kreppcharakter erhält das Gewebe durch die unterschiedlich gedrehten Kett- und Schußfäden. Je schwerer der Crepe, desto körniger fühlt sich die Oberfläche an.

Crepe-Georgette:Crepe-Georgette-Seide ist ein schmeichelndes zartes, durchscheinendes Gewebe. Der ele- gante Stoff ist ein dünnes Kreppgewebe mit Taftbindung und hat eine rauhe Oberfläche. Crepe-Georgette- Seide verspricht durch ihre Zartheit ein besonderes Malerlebnis und verblüfft immer wieder durch hervorra- gende Resultate.

Gauze-Chiffon-Seide: Gauze-Chiffon-Seide zeichnet sich durch eine besonders leichte, luftige und transpa- rente Qualität aus. Dieser junge, modische Hauch von Seide gewinnt ständig an Beliebtheit. Das fließende Gewebe brilliert schon mit einer einfachen Ton-in-Ton-Färbung - bemalt ist es eine kleine Sensation.

Bourette-Seide:Diese Seidenart ist eine mittelfeine bis grobe Naturseide. Meist weist diese eine unregelmä- ßige, leicht noppige Optik auf. Bouretteseide wird in einem sog. Grobspinnverfahren aus den beim Kämm- prozess angefallenen Kurzfasern hergestellt.

Flockseide:Hier handelt es sich um die kurzen Seidenfäden, die die äußere Schicht des Kokons bilden. Um an den langen Seidenfaden heranzukommen, müssen zuerst die kurzen Fäden abgelöst werden. Die Fasern der Flockseide sind sehr dünn. Sie werden in Bündeln von 5 bis 10 Fäden abgehaspelt. Man nennt diese Rohseidenstränge Crepe. Aus ihnen werden sehr, sehr feine Seidenstoffe hergestellt.

Haspelseide: Diese Seide wird auch Reale Seide genannt. Es handelt sich dabei um die vom Kokon abge- haspelten, endlosen und besonders hochwertigen Naturseiden-Fäden. Die Gleichmäßigkeit des Produkts hängt vom manuellem Geschick der Seidenarbeiterinnen ab. Meist werden ca. dreißig Kokons mit ähnlichem Charakter zusammengefügt. Der Gegensatz hierzu sind die versponnenen Naturseidenprodukte wie Bou- rette-Seide oder Schappe-Seide.

Maulbeerseide: Hier handelt es sich um die hochwertigste Naturseide vom dafür gezüchteten Maulbeerspin- ner. Die Maulbeerseide ist die einzige Haspelseide, die sich zur noppenfreien, praktisch endlosen Japansei- de verarbeiten läßt. Zur Gewinnung von 1 kg Rohseide benötigt man etwa 11 kg Kokons! Nach dem Sortieren und Einweichen kann vom Kokon nach Entfernung der äußeren Fäden etwa 1Kilometer der wertvollsten Sei- de (=Reale Seide) abgehaspelt werden. Die Länge des gesamten, aber nicht abhaspelbaren Seidenfadens je Kokon beträgt ca. 2 km und mehr.

Schappe-Seide:Gern auch als Florettseide bezeichnet. Sie wird aus den Anfängen und Enden der nicht mehr abhaspelbaren Kokons gewonnen. Schappe-Seide besteht deshalb aus Seidenabfällen und wird als Wildseide gewonnene Seide mit hohem Anteil an Seidenleim in einer dem sog. Kammgarn-Spinnverfahren ähnlichen Fabrikation weiterverarbeitet. Einsatz finden Schappeseidengarne als Maschinennähseiden und kräftige Seidengewebe.

Wildseide: Zur Wildseide zählt auch die Tussah-Seide vom Eichenspinner oder Naturseide von einem Nacht- schmetterling, dessen Raupen nicht gezüchtet werden. Ein Kokon ist hühnereigroß bis zu fünf Zentimeter groß; meist nicht abhaspelbar. Es ist das Ausgangsmaterial für die Florettspinnerei. Die Seide ist glänzt we- niger, ist dafür aber fest und dicker als die Japanseide, jedoch recht unregelmäßig, rauher und härter im Griff. Gegen Laugen und Säuren ist sie unempfindlicher und kaum zu entbasten oder reinweiß einzufärben, des- halb wird sie vielfach im Naturton zur Rohseide verarbeitet. Stoffe daraus haben einen Leinengeweben ähn- lichen Flammencharakter und durch die abstehende Faserenden auch einen rauhen Griff. Sie sind gut zu waschen und deutlich günstiger als Maulbeerseide.

 

Die richtige Seidenpflege

Verwenden Sie ausschließlich Seidenwaschmittel (geeignet auch Wollwaschmittel). Brüchiger Griff und stumpfe, rauhe Oberfläche des Seidenstücks weisen auf einen Alkalischaden hin. In der Waschmaschine kann Seide ohne Bedenken bei der Einstellung Fein- oder Wollwäsche 30°Celsius gewaschen werden. Aber beachten Sie, dunkle und helle Farben immer getrennt waschen! Ein Schuss Essig im letzten Spülbad rege- neriert die Seide und auch die Farben. Noch vom Waschen nasse Seide niemals in praller Sonne oder an einer Heizquelle trocken lassen und nie auswringen! Die Folge einer solchen Trocknung wäre eine Verände- rung in den Seidenfasern, also die Vergilbung!

Und noch ein Tip: Frische Fettflecken lassen sich meist mit Backpulver entfernen, Einwirkzeit ca. 15 Minuten, dann nur das restliche Backpulver abklopfen. Hat man mit dieser Methode keinen Erfolg, hilft nur noch die chemische Reinigung.

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